Archiv der Kategorie: Presse

Den richtigen Ton getroffen

Von Jan Haugner 10.November 2018

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ALZEY – Krokodile, Schlangen und zwitschernde Vögel – Alzey hat zwar keinen Zoo, echt genug sehen die Tiere aber allemal aus. Neben Tellern, Blumentöpfen und Co. finden sich auch zahlreiche tierische Produktionen auf dem Töpfermarkt. Bei der 32. Auflage präsentieren wieder ebenso viele Aussteller ihre Erzeugnisse in den Höfen des Burggrafiats und Stadtweinguts. „Das ist wirklich eine hochwertige Veranstaltung“, lobt Werner Klas. Besonders die Abwesenheit von billig produzierten Keramikprodukten freut den Fachmann. Gemeinsam mit seinem Kollegen Georg Mathes ist er für die Sonderausstellung „ceraReptilia“ verantwortlich. Seit 25 Jahren betreibt er mit seinem Kollegen eine Werkstatt in Hilgert bei Koblenz. Dort stellen sie Tierskulpturen aus Ton her. Wer sich dem Stand nähert, erkennt sofort, dass der Fokus auf Reptilien liegt. Schlangen mit funkelnden Augen und Geckos, die majestätisch auf Ästen thronen, schmücken die Ausstellungsfläche. Besonders sticht das teuerste Stück hervor, wer 690 Euro zahlt, kann ein braun-geschupptes Krokodil mitnehmen. In Lauerstellung steht der Räuber auf dem Boden und blickt den Betrachter an. Nach zahlreichen Arbeitstagen, Modellierarbeiten und 1230 Grad im Brennofen ist aus dem ehemals hochbrennenden Steinzeug ein echtes Kunstwerk geworden.
Etwas alltagstauglicher geht es bei den regulären Ausstellern zu. Hier finden sich Teller, Müslischalen, Eierbecher und Co. in allen Farben und Formen. Egal ob stilvoll schwarz-weiß, klassisch braun oder eher ausgefallen mit geflügelten Schweinen, jeder Geschmack wird bedient. Auch wer etwas für den kleinen Geldbeutel sucht, wird hier fündig. Getöpferte Blumenstecker für zwei Euro, Eierbecher für fünf oder die Müslischale für 14 findet man hier ebenso wie die Espressotasse mit Untersetzer für 23 Euro oder einen dekorativen Teller für knapp 100. Der Käufer kann sich dabei stets darauf verlassen, dass er ein echtes Stück Handwerkskunst in den Händen hält.
Wie in den vergangenen Jahren, konnten die Veranstalter wieder aus einer Vielzahl hochkarätiger Bewerbungen wählen. Auf die Ausstellerliste hat es 2018 auch wieder Martin Lietsch geschafft, seit Jahren ist der Künstler aus der Nähe von Gießen Stammgast. Ob Udu, Okarina oder Cuica, bei dem Experten gibt es reichlich Auswahl. Doch wovon eigentlich? Ein Udu sieht ungefähr aus wie eine große rundliche Blumenvase mit einem zusätzlichen seitlichen Loch, schlägt man darauf, gibt das afrikanische Percussioninstrument Töne von sich. Ein Cuica aus Brasilien gleicht einer Trommel mit Stab in der Mitte, zieht man daran, quietscht sie laut. Für Begeisterung sorgt Lietschs Vorführung seiner zwitschernden Okarinas: „Das hast du toll gemacht“, lobt ein Besucher. Bunt bemalt in Form eines kleinen Vogels sind die Flöten auch äußerst dekorativ. „Ich bin vorhin mal rumgegangen, man sieht tolle Designs, gute Arbeiten von ausgewählten Kollegen“, freut sich Martin Lietsch.
Wer sich für den anbrechenden Winter eindecken will, findet neben Adventskränzen auch Keramik-Feuerschalen. Einladend knistert darin ein Feuer zwischen den großen Stahltoren des Stadtweingutes.

Alzeyer Töpfermarkt bietet hochwertige Keramik

In der Szene hat der Markt in Stadtweingut und Burggrafiat schon längst einen hervorragenden Ruf. Namhafte Keramiker sind auch bei der 32. Auflage dabei.

Von Thomas Ehlke 6. November 2018

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ALZEY – Der Leguan liegt lauernd auf einem morschen Ast, die Augen starr einen Punkt im Raum fixierend. Es scheint, als schnelle jeden Moment seine klebrige Zunge hervor, um ein Insekt zu fangen. Doch das wird nicht geschehen. Denn der Leguan ist aus Ton gebrannt, leblos also, und wirkt doch so lebendig. Das gilt auch für die anderen exotischen Geschöpfe, die die beiden Keramiker Georg Mathes und Werner Klas geschaffen haben und die beim 32. Alzeyer Töpfermarkt am Wochenende in der Sonderausstellung „ceraReptilia“ zu sehen sind.
Skulpturen setzen Kontrapunkt im Angebot
„Man muss mit Farben arbeiten, die bei den hohen Temperaturen des Brennvorgangs am Ende auch die gewünschte Farbgebung erhalten“, sagt Frank Jung zur Authentizität der Werke. Der Sprecher des „Freundeskreises Töpfermarkt Alzey“ hält die organisatorischen Fäden in Händen. Dass die Wahl bei der Bestückung der Sonderausstellung auf Mathes und Klas gefallen ist, verwundert nicht, haben sich beide in der Szene schon seit mehr als zehn Jahren mit ihren naturalistischen Tierdarstellungen einen Namen gemacht. „Das ist eine hohe Kunst“, unterstreicht der Münchwalder die besondere Qualität der irdenen Reptilien. Die Skulpturen setzen einen Kontrapunkt zum übrigen Angebot des Töpfermarktes.
Der bietet auch in seiner 32. Auflage wieder hochwertige, handgefertigte Gebrauchskeramik vom Eierbecher bis zur großen Obstschale. Die Produkte stammen aus Werkstätten aus dem gesamten Bundesgebiet; viele der Aussteller sind preisgekrönt. Und die hohe Qualität der Produkte ist es auch, die den Markt zu den führenden Ereignissen des Genres in der Republik gemacht hat. Andernorts gibt es zwar mehr Aussteller, aber bei der qualitativen Dichte ist der Alzeyer Markt ganz weit vorne.
DATEN & FAKTEN

Der 32. Alzeyer Töpfermarkt findet von Freitag, 9., bis Sonntag, 11. November, in Stadtweingut und Burggrafiat statt. Geöffnet ist er am Freitag von 14 bis 18 Uhr, am Samstag von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. 32 Meisterwerkstätten bieten Gebrauchsgeschirr, handwerkliche Kleinserien und Unikate zum Verkauf an. Dem Markt angegliedert ist die Sonderausstellung „ceraReptilia“.

 

Das belegt auch die Tatsache, dass beim Freundeskreis alljährlich neue Bewerbungen von namhaften Keramikern eingehen, die jedoch nur bedingt berücksichtigt werden können. „Wir können aber nicht mehr als die 32 Standplätze vergeben, die wir gegenwärtig haben“, verweist Jung auf Kapazitätsgrenzen in den Höfen von Stadtgut und Burggrafiat.
Voll des Lobes ist Frank Jung mit Blick auf das Publikum. „Die Leute sind sehr fachkundig und wissen die gebotene Qualität zu schätzen“, stellt der Sprecher des Freundeskreises fest. Meckereien über zu hohe Preise gebe es deshalb nicht. Jung wertet die Tatsache, dass Besucher aus dem Raum Mainz/Wiesbaden/Frankfurt, aber auch aus Mannheim, Kaiserslautern und sogar Karlsruhe nach Alzey kommen als Zeugnis dafür, dass den Kunden der Töpfermarkt eine längere Anreise wert ist.
Für die Verköstigung der Besucher sorgt auch diesmal wieder das Team vom Stadtweingut mit Leckereien und eigenen Erzeugnissen.

Der Alzeyer Töpfermarkt zeigt hochwertige Keramik – noch bis Sonntag.

Von Meike Hickmann
ALZEY – Zwei Stunden sitze sie an der Form – die bauchige Füllform, die schmale Tülle, der Deckel, der Knauf, alles einzeln. Dann noch vier Tage und vier Nächte im Holzbrandofen bis schließlich eine Teekanne auf dem Töpfermarkt in der Schlossgasse stehen könne, der seit Freitag geöffnet hat. „Hinter zehn Minuten Arbeit stecken Jahrzehnte Erfahrung“, sagt Susanne Lukács-Ringel. Seit 35 Jahren arbeitet sie als Keramikerin, sie habe ihren Stil gefunden. Jedes Jahr komme sie nach Alzey zum Markt. „Es ist wie eine Familie, man kennt sich, fragt sich, wie das Jahr war“, sagt sie.
Einmal im Jahr werfe sie an ihrem Haus, das hinterste in einem schwäbischen 100-Einwohner-Dorf, den Holzbrandofen an. 15 Kubikmeter Holz werden dann verfeuert, ein bisschen landet als Asche auf dem Geschirr, um verwaschene Schatten zu hinterlassen. Mit Steinzeug habe sie angefangen, das ist bei 1300 Grad gebrannter Ton, ritz- und spülmaschinenfest, inzwischen liege ihr Schwerpunkt auf salzglasiertem Porzellan. Keramik heißt es alles – Porzellan, als sehr reine Masse ist eine Extragruppe. Irdenware und Steingut sind niedriger gebrannte Keramik.

Ein Mann fragt nach dem Preis einer großen, ovalen Vase mit ausgefallener Struktur, Lukács-Ringel nennt einen dreistelligen Betrag. Es stecke nun mal lange Arbeit dahinter – aber man habe ja auch lange Freude daran. „Handgearbeitetes hat eine Seele“, sagt sie. Dann entdeckt sie eine Frau, die vorsichtig eine der fein ziselierten Tassen wendet. „Sie ist jedes Jahr meine erste Kundin“, flüstert Lukács-Ringel und wendet sich ihr zu.
Ulrich Witzmann kommt auch jedes Jahr her – dieses Jahr mit seinen Brunnen als Sonderaussteller. „Lebendiges Wasser“ ist der Titel, Inspiration fand er in der Trockenheit, auf 4500 Metern in Peru. Die Puya Raimondii warte auf die Regenzeit, dann lasse sie einen 15 Meter hohen Blütenstamm wachsen, den sie mit Wasser versorgt. Herkömmliche Pumpen schaffen nur zehn Meter. Vom rundlichen Wuchs vor der Fruchtreife bis zum Absterben mit hängenden Blättern – die verschiedenen Formen der Pflanze finden sich wieder in seinen Brunnen. Rillen erzeugen eine Wellenoptik des abfließenden Wassers, jeder plätschert anders. „Eine dezente Akustik“, nennt das der Nieder-Olmer Künstler. Der schönste Moment bei der Arbeit? „An der Drehscheibe, wenn aus einer Masse langsam ein Zylinder wird“, sagt er.
Tassen, Teller, Ölkännchen, Seifenspender, Vogelhäuschen, sogar einen Grill gibt es aus Keramik. Susanne Altzweig tarnt sich fast mit ihrer bunten Strickjacke zwischen ihren Ausstellungsstücken. Ihr Thema, unschwer zu erkennen: Farbe. Sogar ihr Haar schimmert bläulich. Die Formen sind schlicht, ohne Absätze, so sei Platz für das helle Grün des Frühlings oder das tiefe Rot des Herbstes. „Ich liebe die leisen Töne, aber auch die kräftigen“, sagt sie und streicht über einen Teller, in dem Blau und Violett verschwimmen wie in einem Aquarell. Zuerst brenne sie die Formen auf 930 Grad vor. Dann schwemme sie Tonreste mit Wasser auf und mische die Farbpigmente ein – „das hat dann die Konsistenz von Joghurt“, sagt sie. Damit malt sie auf den Ton und brennt nochmal bei 1200 Grad.
Sie schätze das hohe Niveau des Alzeyer Marktes sehr. Statt einer Aussetzregel, um immer wieder neue Kunsthandwerker zu zeigen, setze er auf Beständigkeit. „Es ist schwierig, hier reinzukommen“, sagt sie. Deshalb bleibe sie, auch wenn es vergangenes Jahr nicht ganz so gut lief. Sie beobachte einen Trend zur Wertigkeit, sogar jüngere Leute würden beginnen, Keramik zu sammeln, um stolz eine handgearbeitete Teetasse in der WG zu präsentieren. Ein Trend zur Nachhaltigkeit, zum Selbstgemachten. „Die Leute haben das Gefühl, die Welt draußen nicht beeinflussen zu können, aber die drinnen schon“, sagt sie. Also, warum es sich nicht dort besonders schön machen. Der Töpfermarkt füllt sich schnell am Freitagnachmittag.

Töpfermarkt in Alzey – Allgemeine Zeitung am 3. November 2017

Von Meike Hickmann
ALZEY – Bunt illustriert oder schlichte Farben, perfekt abgerundet oder raue Natürlichkeit – Ton hat so viele Gesichter, wie ihm der Kunsthandwerker gibt. Über 30 von ihnen aus ganz Deutschland stellen ihre Arbeiten am kommenden Wochenende aus. Ein Keramiker für jedes Jahr sozusagen, denn der Töpfermarkt gibt seit 1983 geradezu den Ton an. Seit das Ehepaar Solga, damals noch in Ober-Hilbersheim das „Stelldichein der Töpfer“ auf einem Hofgelände erstmalig organisierte, ist der Markt eine Institution für Keramikkunst geworden. Dieses Jahr eröffnet er am Freitag um 14 Uhr im Stadtweingut und Burggrafiat in der Schlossgasse. Am Samstag ist ab 10 Uhr geöffnet, am Sonntag ab 11 Uhr – jeweils um 18 Uhr schließt der Markt.
Vergangenes Jahr hatten elf international bekannte Keramiker die Sonderausstellung bestritten. Dieses Jahr konzentriert sie sich unter dem Titel „Lebendiges Wasser“ auf Ulrich Witzmann. Seit 25 Jahren beschäftigt er sich hauptsächlich mit Wasserobjekten – großen wie dem Marktplatzbrunnen in Nierstein oder der im Rheinhessenbad in Nieder-Olm, aber auch kleinere für Garten und Balkon. Die Objekte eint eine nach oben strebende Formensprache sowie dezente Farben mit dominierendem Blau. Inspiriert sei er von einer Pflanze in den Anden, die Puya Raimondii, die in 4500 Metern Höhe wächst, ist auf der Website des Töpfermarktes zu lesen.

Ob Gebrauchsgeschirr oder Dekor, alle Aussteller bieten handgefertigtes, vieles sind Unikate. Einige kommen aus Höhr-Grenzhausen, die Stadt im Westerwald mit der Fachhochschule für Keramik wird auch „Kannenbäckerstadt“ genannt. Wie zum Beispiel Maria Meyer und Ute Matschke – was die eine töpfert, bemalt die andere mit phantasievollen Figuren. Armin Skirde sind dagegen Struktur und auch Bearbeitungsspuren am Ton wichtig: Nur mit dünner Außenglasur haben seine Stücke einen erdigen Charakter.
Die Wiesbadenerin Sabine Rosenbach arbeitet dagegen mit Feldspatenglasuren, wodurch die Keramiken leicht gläsern wirken, Form und Farben häufig klar geometrisch.
Martina Sigmund-Servetti kommt aus Heilbronn, ihre Porzellanarbeiten haben etwas schwebendes, leichtes, sie schreibt auf der Website: „Jedes Gefäß an dem sich das Auge ausruhen kann und welches man gerne in die Hand nimmt ist eine Bereicherung und Impuls.“
Das Gründer-Ehepaar hat sich inzwischen aus Altersgründen zurückgezogen, der „Freundeskreis Töpfermarkt Alzey“ übernahm 2009 die Organisation. Parallel ist am 5. November verkaufsoffener Sonntag – erste Weihnachtsgeschenke, ob tönern oder nicht, können am Wochenende also erworben werden.

Handwerkskunst! Wie man ein Kaffeeservice töpfert – Susanne Altzeig in SWR Fernsehen

Handwerkskunst! Wie man ein Kaffeeservice töpfert

13.10.2017 | 45 Min. | UT | Quelle: SWR
Töpfern liegt voll im Trend. Susanne Altzweig arbeitet als selbständige Keramikerin in Höhr-Grenzhausen. Kreativität, Technik, Erfahrung und Gefühl sind wichtig für ihr Handwerk und den Werkstoff Ton. Bis ein buntes Kaffeeservice entsteht, vergehen etliche Arbeitsstunden. „Handwerkskunst!“ beobachtet die Keramikerin bei der Arbeit und zeigt, warum ein hochwertiges, handwerklich gefertigtes Kaffeeservice durchaus ein bisschen teurer sein darf als Massenware aus der Industrie.
Link hier

Klasse Bericht von Anna-Lena Stauder von der Allgemeine Zeitung – "Zwischen Kunst und Handwerk"

Töpfermarkt zieht Besucher am Wochenende nach Alzey

ALZEY – Noch ist wenig los in den Höfen um Stadtweingut und Burggrafiat: Am frühen Nachmittag, der Töpfermarkt ist gerade eröffnet, da klappert es noch überall. Die 31 Aussteller aus Werkstätten der ganzen Republik räumen ihre Schätze an den richtigen Platz und setzen sie in Szene. In historischer Kulisse erwartet Keramik-Liebhaber Gebrauchsgeschirr, aber auch handwerkliche Kleinserien, die die Aussteller zum Verkauf anbieten. Es ist ein buntes Farbenspiel aus Schüsseln, Tassen, Tellern und Vasen, die Punkte, Linien und Muster zieren, der Vielfalt an Formen und Strukturen sind keine Grenzen gesetzt.

Fokus auf Funktion der Objekte

„Der Fokus hier ist auf die Funktion der Objekte gelegt“, erklärt Aussteller und Mitorganisator Martin Goerg. Der gelernte Keramiker aus Höhr-Grenzhausen, der seit 1990 als Selbständiger arbeitet, hat in diesem Jahr auch ein besonderes Stück dabei. Eine große Salzbrand-Vase, für die er vor einigen Jahren den Westerwaldpreis erhielt, wird neben Objekten anderer international renommierter Künstler in den Räumlichkeiten des Stadtweingutes präsentiert. Monika Gass, Leiterin des Keramikmuseums in Höhr-Grenzhausen hat für die Sonderausstellung zum Töpfermarkt Keramikobjekte von zehn Ausstellern ausgewählt. Darunter sind kleine Vasenarrangements des Frechener-Keramikpreisträgers Kiho Kang aus Südkorea oder eine Seladon-Schale von Staatspreisträger Fritz Roßmann. Hintergrund sei gewesen, ausgewählte Stücke einem Publikum zugänglich zu machen, das nicht in die Kannenbäckerstadt kommt, und aus dem Zentrum der Keramik heraus mehr in die Öffentlichkeit und auf Märkte zu gehen, erklärt John Burland, der ebenfalls Mitorganisator vom Freundeskreis des Töpfermarktes ist.

Jeder der Aussteller hat seinen eigenen Stil und arbeitet mit einer anderen Technik. Die Leidenschaft von Martin Goerg ist der Salzbrand, durch den Farbverläufe und Glanz entstehen. Die Grenzen zwischen Handwerk und Kunst sind für ihn fließend, eine Abgrenzung will er nicht ziehen. In jedem Fall müsse das Drehen auf der Töpferscheibe gelernt sein. „Den Dreh hatte ich erst Jahre nach meiner Lehre raus, als ich schon selbstständig war“, schildert Goerge. Schon sein Opa hatte Tongruben und als kleiner Junge fuhr er mit ihm zu Töpfereien, um den Werkstoff dort anzubieten. Schließlich hat er die Schule abgebrochen, um eine Lehre als Keramiker zu machen und bis 1985 die Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen besucht. „Ich könnte nicht ohne die Arbeit als Keramiker“, sagt Goerg.

Spannend, Entwicklung zu verfolgen

Für John Burland, der seit Jahren begeisterter Sammler ist, ist es vor allem spannnend, die Entwicklung der Aussteller in ihren Arbeiten zu verfolgen. „Es ist ein wirklicher Genuss, das immer wieder aufs Neue zu sehen“, sagt Burland. Nicht alle arbeiten mit Ton wie Goerg. Auch Porzellan, das ursprünglich aus China kommt, ist ein beliebtes Material. Mit ihm lässt sich ganz feines Geschirr herstellen, das teilweise auch transparent erscheinen kann. „Porzellan, das ist leider so, ist unter den verschiedenen Materialien die Prinzessin auf der Erbse“, erläutert Ausstellerin Martina Sigmund-Servetti aus Heilbronn. Denn einmal in Form gebracht, sei eine Veränderung nicht mehr möglich. „Porzellan hat ein Gedächtnis, es vergisst keinen Fehler“, ergänzt Burland.

Ob nun handwerkliches Können oder Kunst, von Butterdosen, über verbogene Schnapsflaschen mit Bügel-Verschluss, Hausnummern, Weihnachtsmänner, Gewürzgefäße über eher abstrakte Gebilde haben die Aussteller allerhand zu bieten. Ob die Objekte langweilig oder doch etwas ganz Besonderes sind, liegt im Auge des Betrachters. Über einen Keramikgrill, der im kalten November, etwas Wärme spendet und einen Räucher-Duft in die Luft entsendet, mag sich beim Rundgang in der Dämmerung sicherlich keiner beschweren

Die Mainzer Allgemeine Zeitung schreibt:

Nachrichten Alzey
28.10.2016
Keramikmuseum präsentiert in Alzeyer Stadtweingut und Burggrafiat Werke renommierter Künstler

Von Thomas Ehlke

ALZEY – Es ist ein Festival der Ästhetik, das sich da seit drei Jahrzehnten in Stadtweingut und Burggrafiat dem Betrachter bietet. Keramiker aus dem gesamten Bundesgebiet treffen sich alljährlich im November in der Volkerstadt, um beim Alzeyer Töpfermarkt die Werke ihrer Werkstätten zu präsentieren. Vor genau 30 Jahren von Ewald Solga ins Leben gerufen, gibt es zum runden Geburtstag des Marktes vom 4. bis 6. November eine hochkarätige Sonderausstellung.

Elf international bekannte Keramiker

In Zusammenarbeit mit dem Keramikmuseum in Höhr-Grenzhausen, dem deutschen Zentrum der Keramikkunst und des Töpferhandwerks, werden Werke von elf international bekannten Kunstschaffenden gezeigt. Ausgesucht wurden die Exponate von Museumsdirektorin Monika Gass, die die Ausstellung an allen drei Tagen mit einer multimedialen Präsentation begleiten wird. „Das ist eine absolut außergewöhnliche Schau auf internationalem Niveau und wir sind froh, sie hier in Alzey zeigen zu können“, sagt John Burland. Der in Rheinhessen lebende Neuseeländer mit britischen Wurzeln vom „Freundeskreis Töpfermarkt Alzey“ ist für Koordination und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Zu den Künstlerinnen und Künstlern, deren Werke bei der Sonderschau gezeigt werden, gehören unter anderem Staatspreisträger Fritz Roßmann sowie Kiho Kang und Nicole Thoss, die beide unter anderem mit dem Frechener Kulturpreis ausgezeichnet wurden, und Martin Goerg, der neben dem Westerwaldpreis auch einen internationalen Preis für seine Salzbrand-Arbeiten erhielt. Skulpturen, Porzellan, Malerei und Drucktechniken auf Steinzeug – die Ausstellung zeigt verschiedene Stilistiken im kunstvollen Umgang mit dem irdenen Grundstoff.

Über die elf Akteure der Sonderausstellung hinaus sind beim eigentlichen Töpfermarkt wieder 31 Werkstätten am Start. Sie bieten Gebrauchsgeschirr, handwerkliche Kleinserien und Unikate zum Verkauf an. John Burland unterstreicht die Qualität, die die Keramiker ihren Kunden auf dem Markt bieten: „Das sind meisterhaft gefertigte Keramiken, die einzeln und mit großem Know-how angefertigt wurden.“

„Auch thermodynamische Ingenieure“

In seiner Heimat England gilt das Genre als Kunst. Hierzulande wird es in der Regel als Kunsthandwerk angesehen, wobei sich nicht wenige Keramiker selbst eher dem handwerklichen Sektor zugehörig fühlen. Das sieht Burland ganz anders. „Viele sagen, sie seien Künstler mit handwerklichem Einschlag und stellen dabei ihr Licht unter den Scheffel“, sagt er und fügt hinzu: „In Wirklichkeit sind es auch kreative thermodynamische Ingenieure, denn immerhin brennen sie bei 1250 Grad Celsius. Und sie sind Chemiker, denn man muss zum Beispiel wissen, wie Sauerstoff unter großer Hitze reagiert.“

Das Publikum des Alzeyer Töpfermarktes weiß womöglich nichts von diesen Hintergründen, dennoch schätzt es die Ergebnisse, die die schöpferischen Prozesse hervorbringen. „Von den Kunden wird das Angebot anerkannt und die Marktteilnehmer sind alle zufrieden, auch wenn das Wetter manchmal schlecht ist“, blickt John Burland auf die Umsätze, die getätigt werden. Viele Marktbesucher hätten „ihren“ Keramiker, zu dem sie schon seit Jahren gehen.

In diesem Jahr gibt es ein neues Gesicht bei den Anbietern: Marlen Schulze aus Höhr-Grenzhausen. Sie nimmt den Platz des Ateliers Solga ein. Der Begründer des Töpfermarktes ist im August im Alter von 89 Jahren gestorben, was vom Freundeskreis des Marktes und den Teilnehmern mit großer Trauer aufgenommen wurde.

Wir trauern mit.

 
Ewald Solga, zusammen mit seiner Frau Katharina Gründer des Töpfermarkts Alzey, hat uns verlassen.
Ehepaar Solgar zieht sich aus der Töpfermarkt-Organisation in Alzey zurück
21.10.2009 – ALZEY
Von Armin Burkart
Nein, so ganz glücklich sind Katharina und Ewald Solgar nicht darüber, dass sie nach 22 Jahren die Organisation des Töpfermarktes in Alzey aufgegeben haben. Die äußern, sich erschwerenden Umstände, die nachlassende Unterstützung, aber auch die Beschwernisse des Alters haben beide zu dem Schritt bewogen. Katharina Solgar, 79, ist froh, dass sie nach einem schweren Unfall im Februar langsam wieder auf die Beine kommt und Ewald Solgar, 82, hat sich in dieser Zeit rührend um sie gekümmert. Es ist, wie es ist, aber am Alzeyer Töpfermarkt hängen sie beide, denn er ist ihr Kind.
Als “ungleiches Paar“ sieht sie nur, wer die Beiden oberflächlich betrachtet. Katharina Solgar, geborene Winter, wächst in einer Künstlerfamilie auf. Der Vater, in erster Linie Bildhauer, hatte sich der Forschung über griechische Keramiken verschrieben. Um dem Wesen dieser Keramik auf den Grund zu gehen, besorgte er sich nicht nur die entsprechenden Erden, sondern baute auch die in der Antike üblichen Brennöfen nach.
“Die mussten für den Brand mit Material gefüllt werden und das war für mich willkommene Gelegenheit, mit diesen Materialien nach Herzenslust zu töpfern“, erinnert sich Katharina Solgar an ihre künstlerischen Anfänge.
Ewald Solgar kommt aus einer ganz anderen Richtung. Er lernt Flugzeugbauer und setzt nach dem Krieg ein Ingenieurstudium auf seine handwerkliche Ausbildung. Der Beruf verschlägt ihn für einige Jahre in die USA. Dort lernt er eine vereinfachte Technik zur Härtung von Stahl kennen, kehrt zurück nach Deutschland und findet eine Anstellung als Entwicklungsingenieur bei Opel.
“Dort war diese Technik noch nicht bekannt, aber sehr willkommen“, erinnert sich der Ingenieur und so erhielt er den Auftrag, sie einzuführen und weiter zu entwickeln. 1954 heiraten Katharina und Ewald Solgar. “Dass damit der Doppelname Solgar-Winter folgte, ist ein Trugschluss“, berichtigt die Ehefrau. “Nur unser Atelier heißt in Erinnerung an den Vater so. Ich hatte das zwar bei dem Standesbeamten einmal kurz erwogen, aber der fand das affig“, schmunzelt Katharina Solgar. Und wie fanden der Techniker und die Künstlerin zusammen?
Beide lachen herzlich bei der Frage. “Mein Mann ist sehr sensibel und hat sich immer für meine Arbeit interessiert. Als Ingenieur kann er mit Material und mit Technik umgehen und so wurde er mehr oder weniger zu meinem Brennmeister“, erläutert Katharina Solgar den gemeinsamen Weg. 1983 organisierten die Solgars ihren ersten Töpfermarkt in Ober-Hilbersheim, ihrem damaligen Wohnort. 1987 zogen die Solgars nach Kontakten mit dem damaligen Bürgermeister Walter Zuber mit dem Töpfermarkt um nach Alzey in den Hof des Stadtgutes und ins Burggrafiat und nahmen 1989 Wohnung in Erbes-Büdesheim. Bis zu 30 Aussteller besuchten fortan den Markt in Alzey.
“Alles handverlesene Töpfer“, betonen die Solgars, denn sie wollten keine Industrieprodukte, sondern handgefertigte Gebrauchskeramik. Das ist so bis zum heutigen Tag geblieben. Auch wenn beide die Organisation des Alzeyer Töpfermarktes vom 20. bis 22. November aufgegeben haben, sie werden dennoch teilnehmen. Ein junges Team hat sich unter dem Namen “Freundeskreis Töpfermarkt Alzey“ zusammengefunden. Am meisten freut die Solgars, dass ihr Enkel, Samuel Weisenborn, in ihre Fußstapfen tritt, denn er bietet in Alzey Glaskunst an.

 

 

Für Liebhaber der handgemachten Keramik

Vor allem das gemütliche Ambiente schätzen Besucher und Meisterwerkstätten, die beim traditionellen Töpfermarkt in Alzey ihre handgemachten Produkte präsentieren.
Foto: photoagenten/Axel Schmitz

Von Ali Reza Houshami

TÖPFERMARKT Meisterwerkstätten locken Besucher in die Höfe des Stadtweingutes und Burggrafiats
ALZEY – Freitagnachmittag in der Schloßgasse in Alzey: Besucher bummeln an Ständen vorbei. Einige schauen neugierig und beobachten, andere unterhalten sich oder werden von den zahlreichen Händlern beraten. Günter Gottschämmer und seine Frau sind aus Darmstadt. Sie halten Ausschau nach einer schönen Tasse. „Für unsere Tochter“, erklärt der Vater. Nicht irgendeine Tasse soll es sein. Eine Handgemachte hat sie sich zum Geburtstag gewünscht. So kam es, dass die Eltern sich zum Töpfermarkt nach Alzey aufgemacht haben.
Breite Palette an Produkten

32 Meisterwerkstätten geben der Veranstaltung rund um Stadtweingut und Burggrafiat eine besondere Note, indem sie ihren Kunden eine breite Palette an Gebrauchskeramik präsentieren: Tassen, Teller, Aschenbecher, große und kleine Schälchen sowie runde und eckige Platten. Aber auch Blumengefäße in Fisch- oder Hundeform und Kerzenständer mit verschiedenen Motiven sind zu bewundern. Die Auswahl ist groß, vielfältig sind zudem die Formen. Elisabeth Fischer mag es besonders farbenfroh. Mal kräftig-leuchtend, mal zart-strahlend ist ihr handgemachtes Geschirr. Die Künstlerin ist aus Hürth bei Köln und das erste Mal beim Töpfermarkt dabei. „Meine Kollegen haben sehr von diesem Markt geschwärmt. Da habe ich mich einfach mal bei den Organisatoren beworben“, erzählt Fischer. Mit Erfolg – und etwas Glück.
Schließlich könne nur ein neuer Händler seine Produkte beim Töpfermarkt ausstellen, wenn ein Platz frei wird, wie Martin Goerg berichtet. „Die Platzverhältnisse lassen nicht mehr Stände zu“, sagt der Keramiker aus dem Westerwald, der den Markt mit organisiert. Eine Tatsache, die der Veranstaltung auch seinen Charme verleihe, meint Goerg. „Der Markt ist klein, aber mit einem großartigen Ambiente.“ Das wissen auch die Meisterwerkstätten zu schätzen, sodass sie jedes Jahr nach Alzey kommen, etwa Jürgen Strohm, der zum zehnten Mal dabei ist. „Ich finde den Markt einfach toll, es passt alles“, sagt der Künstler, der sich auf salzglasiertes Steinzeug spezialisiert hat.
Wie in jedem Jahr gibt es im alten Kelterhaus des Stadtweingutes eine Sonderausstellung. Dieses Mal stehen im Vordergrund Grafiken und Skulpturen von Nicole Thoss und Andreas Hinder, einem Künstler-Paar aus Höhr-Grenzhausen. Mit ihren Werken zeigen sie, was noch aus Keramik machbar ist.
Aus dem gesamten Bundesgebiet kommen die Händler angefahren, um in Alzey dabei zu sein. „Wir müssen uns bewegen. Wir müssen nah am Kunden sein, um zu verkaufen“, erklärt Rosemarie Oswald. Sie ist aus der Oberlausitz und seit über 15 Jahren beim Töpfermarkt mit von der Partie. Mit ihrem Mann Friedmar habe sie dabei rund 600 Kilometer zurückgelegt. Die weite Anreise lohne sich. „Alzey ist eine gute Adresse, wir freuen uns, dass wir wieder hier sind.“ Kathrin und Martin Ernst sind dagegen aus Rosenheim. Ein Blickfang an ihrem Stand: Feuerschalen, „die auch zum Grillen genutzt werden können“.
Die Besucher kommen ebenfalls aus Nah und Fern, beispielsweise Marlies Schneider. Sie kommt aus Oberursel und ist nun zum vierten Mal beim Töpfermarkt zu Gast. Den Termin habe sie sich dabei vorgemerkt. „Früher habe ich gerne getöpfert, jetzt sammel ich gerne Keramiken. Von den Produkten, die es hier zu kaufen gibt, bin ich überzeugt. Deswegen fahre ich gerne hierher.“ Hanna Haid und ihr Mann sind frisch nach Rheinhessen gezogen. Den Töpfermarkt hatten sie sich gleich im Kalender markiert. „Ich bin zum ersten Mal hier und sehr angetan“, sagt Haid.
Bereits zum 29. Mal findet der Alzeyer Töpfermarkt statt, wie immer im November. Der Ort der Veranstaltung hat sich nicht geändert. Dafür aber der Zeitpunkt. Zwei Wochen früher als gewohnt sind die Höfe des Stadtweingutes und des Burggrafiats Anlaufpunkt für Liebhaber handgemachter Gebrauchskeramik (die AZ berichtete). Der Grund: Die aktuelle Landesverordnung verbietet, dass an stillen Feiertagen Märkte organisiert werden. Der Töpfermarkt fiel dabei immer auf den Totensonntag. Die zeitliche Verlegung stört die Besucher aber nicht. Ganz im Gegenteil. „Dafür ist es angenehm warm. Vor allem die Standbetreiber müssen nicht draußen frieren“, findet eine Bad Dürkheimerin.