Den richtigen Ton getroffen

Von Jan Haugner 10.November 2018

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ALZEY – Krokodile, Schlangen und zwitschernde Vögel – Alzey hat zwar keinen Zoo, echt genug sehen die Tiere aber allemal aus. Neben Tellern, Blumentöpfen und Co. finden sich auch zahlreiche tierische Produktionen auf dem Töpfermarkt. Bei der 32. Auflage präsentieren wieder ebenso viele Aussteller ihre Erzeugnisse in den Höfen des Burggrafiats und Stadtweinguts. „Das ist wirklich eine hochwertige Veranstaltung“, lobt Werner Klas. Besonders die Abwesenheit von billig produzierten Keramikprodukten freut den Fachmann. Gemeinsam mit seinem Kollegen Georg Mathes ist er für die Sonderausstellung „ceraReptilia“ verantwortlich. Seit 25 Jahren betreibt er mit seinem Kollegen eine Werkstatt in Hilgert bei Koblenz. Dort stellen sie Tierskulpturen aus Ton her. Wer sich dem Stand nähert, erkennt sofort, dass der Fokus auf Reptilien liegt. Schlangen mit funkelnden Augen und Geckos, die majestätisch auf Ästen thronen, schmücken die Ausstellungsfläche. Besonders sticht das teuerste Stück hervor, wer 690 Euro zahlt, kann ein braun-geschupptes Krokodil mitnehmen. In Lauerstellung steht der Räuber auf dem Boden und blickt den Betrachter an. Nach zahlreichen Arbeitstagen, Modellierarbeiten und 1230 Grad im Brennofen ist aus dem ehemals hochbrennenden Steinzeug ein echtes Kunstwerk geworden.
Etwas alltagstauglicher geht es bei den regulären Ausstellern zu. Hier finden sich Teller, Müslischalen, Eierbecher und Co. in allen Farben und Formen. Egal ob stilvoll schwarz-weiß, klassisch braun oder eher ausgefallen mit geflügelten Schweinen, jeder Geschmack wird bedient. Auch wer etwas für den kleinen Geldbeutel sucht, wird hier fündig. Getöpferte Blumenstecker für zwei Euro, Eierbecher für fünf oder die Müslischale für 14 findet man hier ebenso wie die Espressotasse mit Untersetzer für 23 Euro oder einen dekorativen Teller für knapp 100. Der Käufer kann sich dabei stets darauf verlassen, dass er ein echtes Stück Handwerkskunst in den Händen hält.
Wie in den vergangenen Jahren, konnten die Veranstalter wieder aus einer Vielzahl hochkarätiger Bewerbungen wählen. Auf die Ausstellerliste hat es 2018 auch wieder Martin Lietsch geschafft, seit Jahren ist der Künstler aus der Nähe von Gießen Stammgast. Ob Udu, Okarina oder Cuica, bei dem Experten gibt es reichlich Auswahl. Doch wovon eigentlich? Ein Udu sieht ungefähr aus wie eine große rundliche Blumenvase mit einem zusätzlichen seitlichen Loch, schlägt man darauf, gibt das afrikanische Percussioninstrument Töne von sich. Ein Cuica aus Brasilien gleicht einer Trommel mit Stab in der Mitte, zieht man daran, quietscht sie laut. Für Begeisterung sorgt Lietschs Vorführung seiner zwitschernden Okarinas: „Das hast du toll gemacht“, lobt ein Besucher. Bunt bemalt in Form eines kleinen Vogels sind die Flöten auch äußerst dekorativ. „Ich bin vorhin mal rumgegangen, man sieht tolle Designs, gute Arbeiten von ausgewählten Kollegen“, freut sich Martin Lietsch.
Wer sich für den anbrechenden Winter eindecken will, findet neben Adventskränzen auch Keramik-Feuerschalen. Einladend knistert darin ein Feuer zwischen den großen Stahltoren des Stadtweingutes.

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